Ein Begegnungszentrum der Weltreligionen im Herzen einer Weltstadt des Friedens

“Ein Sauerteig der Versöhnung unter den Menschen, des Vertrauens unter den Völkern und des Friedens auf der Erde.” (Taizé)

Das geschwisterliche Miteinander der hier verwurzelten monotheistschen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam, die Offenheit für Begegnungen auf internationaler, interkultureller und interreligiöser Ebene haben Antakya zu einer Weltstadt des Friedens wachsen lassen. Die geschichtsträchtige Altstadt, dort wo Synagoge, Kirche und Moschee in nächster Nachbarschaft liegen, das Bild von Glockenturm, Minarett und Davidstern in engster Verbundenheit ist heute zum Wahrzeichen der Stadt geworden.

Aus diesem Miteinander heraus ist unser Zentrum gewachsen: Hier können Menschen aller Glaubensrichtungen und Weltanschauungen in ihrer gemeinsamen Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sich zum Austausch begegnen -Fremde und Einheimische, Pilger und Wanderer; Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen, Lebensweisen, Hoffnungen und Träumen – Begegnung,

die auf Authentizität und Respekt vor der Freiheit und Eigenart des anderen basiert.

Junge Menschen1) aus dem nahen und fernen Umkreis von Antiochien haben hier die Möglichkeit, sich sozial2) und kulturell zu engagieren, während sie sich z. B. auf einen höheren Schulabschluss vorbereiten. Jeder ist eingeladen, sich mit seiner Kultur, Konfession oder Religion einzubringen.3)

Hier bedarf es unserer Neugier, unseres Mutes und unserer Offenheit, um einander wirklich kennen zu lernen. Neben der Erfahrung von Wertschätzung und Nächstenliebe bringt der Wunsch, einander näher zu kommen, ebenso die Notwendigkeit mit sich, Unterschiede auszuhalten und auch sich selbst in Frage stellen zu lassen. Hier finden Menschen mit ihrer jeweils eigenen Weltanschauung, mit ihren Nöten und Fragen die Möglichkeit, ihr Leben im Licht Gottes neu und tiefer zu verstehen und neu auszurichten. Vorgänge in Gesellschaft, Religion und Kultur werden neu wahrgenommen und reflektiert4) .

Regelmäßige Gebetszeiten mit geistlichen Liedern aus den verschiedenen religiösen Traditionen (Taizé u. a.), Workshops5) und vieles mehr fördern und unterstützen eine spirituelle Lebensorientierung. Interkulturelle Verständigung, soziale und ökologische Verantwortung prägen den Alltag.

Natürlich gehören auch gemeinsame Mahlzeiten, Singen nach Herzenslust, Tagesausflüge, Jugendaustausch6), Sport und Spiel mit zum Pro-gramm. Gerade dort, wo wir mit unserer Sprache an Grenzen stoßen, dient uns die Musik als universelle Sprache und ist ein lebendiges Beispiel für Harmonie und Schönheit trotz aller Verschiedenheiten: "Nehmt die Melodie Gottes in euch auf" lautet der berühmte Satz von Ignatius von Antiochien. Oder: „Wer singt, betet doppelt“ (Augustinus). Musik berührt die Herzen der Menschen und baut Brücken7), wo immer sie nötig sind.

Der Einsatz für weltweite Toleranz, für den Dialog zwischen Völkern, Kulturen und Religionen ist ein konkreter Bestandteil unserer Arbeit. Das Verstehen des Anderen ist eine wichtige Grundlage zur Verhinderung von fremdenfeindlichen Gefühlen, von Hass und Intoleranz. Mit unserer Arbeit wollen wir Brücken bauen, Begegnungen ermöglichen, um so die Köpfe und die Herzen der Menschen für den Anderen zu gewinnen.

Ein Teil unserer Aufgabe ist es auch, an dem zentralen gesellschaftlichen Anliegen, Gewalt zu mindern, mitzuwirken und die friedensstiftende Rolle der Religionen hervorzuheben. Zur friedensstiftenden Rolle der Religionen gehört nicht nur die Verurteilung von Gewalt und Terrorismus, sondern vor allem die Suche nach Wegen, um die Ursachen für Unzufriedenheit, Hoffnungslosigkeit, Extremismus und Terrorismus zu erschließen.8)

Gerade im Nahen Osten, in nächster Nachbarschaft mit Syrien, Libanon, Israel, den palästinensischen Gebieten und dem Irak, brauchen wir Orte des Vertrauens, wo Menschen sich begegnen können und Freunde werden: Weit über die Grenzen von Nation, Rasse9) und Religion hinaus.

Projektleiterin: Barbara Kallasch

1) Junge Menschen können bis zu einem Jahr in unserer Gemeinschaft mit leben, sich u. a. auf ein Studium vorbereiten oder auch ein Praktikum machen. Hausaufgabenbetreuung, Musik-und Fremdsprachenunterricht stehen mit auf dem Tagesprogramm. Daneben besteht die Möglichkeit, sich eine Stunde am Tag in der Küche, im Garten, im Eine-Welt-Laden usw. zu engagieren.

2) Ein Rehabilitationszentrum für geistig behinderte Kinder und Jugendliche bietet die Möglichkeit, sich sozial einzusetzen.

3) Nostra Aetate, Art. 2: „Durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen wollen wir jene geistlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.“

4) Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Artikel 18 – 19: “Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissensund Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen. Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.”

5) Themenschwerpunkte sind u. a.'Religionen und Mystik', 'Weisheiten der Religionen', 'Religionen und Tanz', 'Religionen und das Geistliche Lied','Religionen und gewaltfreie Konfliktbewältigung' u. v. a. m.

6) Jährlich findet ein internationaler Jugendaustausch mit Jugendlichen der Kulturhauptstadt Essen statt.

7) Dank der Unterstützung der Stadt Antakya konnte im Jahr 2007 ein Chor gegründet werden (Medeniyetler Korosu -Chor der Zivilisationen). Dieser Chor zählt heute über 100 Mitglieder aus den in Antakya verwurzelten abrahamitischen bzw. monotheistischen Religionsgemeinschaften: Juden, Christen (aus der orthodoxen, der armenischen, der katholischen Tradition), Muslime und Aleviten u. a. Gesungen werden hauptsächlich geistliche Lieder in den jeweiligen liturgischen Sprachen wie z. B. Hebräisch, Arabisch, Armenisch, Latein.

8) Nostra Aetate, Art. 3: "das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen."

9) Verfassung der Republik Türkei, Artikel 10: “Jedermann ist ohne Rücksicht auf Unterschiede aufgrund von Sprache, Rasse, Farbe, Geschlecht, politischer Ansicht, Weltanschauung, Religion, Bekenntnis und ähnlichem vor dem Gesetz gleich.” (Quelle: http://www.verfassungen.eu/tr/index.htm)

Bild 2: Nach getaner Arbeit ist gut ruhen: Verdiente Pause nach dem Arbeitseinsatz im Behindertenheim

Bild 4: Neue Eindrücke verarbeiten: Entspannung nach einem ereignisreichen Tag

Bild 5: Hier bin ich – hier bleib ich: Siesta im Innenhof des Gästehauses (Jugendaustausch -Gäste aus Italien)

Bild 6: Die „Nacht der Nächte“ im christlichen liturgischen Jahr: Osternacht – Nacht des Wachens und Betens

Bild 7: Wohl bekomms: Speisesaal des Gästehauses Bild 8: „Lass nicht zu, dass Du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit Dir glücklicher ist.“ (Mutter T.): Blick auf das Begegnungszentrum im Herzen der Altstadt Antakyas

Bild 9: „Kunst will das, was noch nicht war, aber alles, was sie ist, war schon.“ (Adorno): Kunst-Seminar Bild 11: „Wir Menschen sind Engel mit nur einem Flügel. Um fliegen zu können, müssen wir uns umarmen.“ (Autor unbekannt): Glockenturm und Minarett in nächster Nachbarschaft.

Bild 13: Ein flüchtiger Moment der Schwerelosigkeit: Im Titus-Tunnel bei Samandag




Bild20: „Träumen heißt: durch den Horizont blicken.“ (Afrikanisches Sprichtwort): Gute Nacht!

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Barbara Kallasch
Zenginler Mah., Gazipasa Cad 49
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